Koller

Rudolf Koller (1828-1905)

Artikel Nummer: Ko_01
Titel: Schafherde am Meer, Porto d’Anzio
Technik: Öl auf Leinwand
Signatur, Datum: Koller 1869
SIK-Nummer: 9290
Grösse mit Rahmen: 74 x 54 cm
Grösse o. Rahmen: 60 x 39 cm
Zustand: gut
Preis in CHF: 22'000
Literatur: siehe unten

Literatur:

Stiftung Oskar Reinhart Winterthur, Band 1 - Seite 206:
"Anlässlich seiner Italienreise weilte Koller im März und April 1869 in Porto d'Anzio. Dort schuf er eine Reihe von Meerstudien, die Marcel Fischer "zum Besten in seinem Schaffen und überhaupt in der schweizerischen Malerei jener Zeit" zählt. Damals beschäftigte den Künstler das Motiv der Ziegen- und Schafherde am Strand. Skizzenhaft und zum Teil pastos ist die vorliegende Studie gemalt. Links auf der bewaldeten Anhöhe ist eine Villa zu sehen, die an Landhäuser auf Bildern Böcklins erinnert.
Die Figur des Hirten finden wir in genau derselben Stellung wieder auf dem gleichzeitig entstanden Bild "Schafherde am Meer". Nur ist dort die Gruppe näher ans Wasser gerückt. Eine zweite, weniger skizzenhaft gemalte "Ziegenherde bei Porto d'Anzio" mit Datum 29. April 1869 ist offensichtlich ein Ausschnitt aus der Winterthurer Fassung mit leicht verändertem Standpunkt. Auf jenem Bild liegt der Hirte wieder in gleicher Stellung, das Meer ist nicht mehr sichtbar, die Villa verschwunden."

Marcel Fischer: Rudolf Koller (Zürich 1951):
Textpassage Seite 24, Abbildung Nummer 136."Im März und April weilte Koller in Porto d'Anzio. Später besuchte er Neapel, Capri, Sorrent, Pästum und Pompeji; dann aber zog es ihn in die Campagna und die Albanerberge. Seine schöpferische Kraft war vom Süden auf das Äusserste angeregt. In Porto d'Anzio hat sich sein Meererlebnis in einer Reihe von Studien verdichtet, die zum Besten in seinem Schaffen und überhaupt in der schweizerischen Malerei jener Zeit zählen. Ein Jahr ehe Courbet seine berühmten "Wellen" schuf, malte Koller seine magistrale Studie "Die Brandung" (Tafel XIV). Er erweist sich damit als ein wahrer Meister der Farbe; das Bild wirkt in seiner temperamentvoll pastosen Malweise so modern, dass es Liebermann, Corinth und Slevogt vorwegzunehmen scheint. So hat der Aufenthalt in Italien, dem eine Depesche vom Tod der Schwester Emilie ein vorzeitiges Ende setzte, Bilder gezeitigt, deren Motivkreis und Qualität Kollers Werk wesentlich bereichern."

sikart.ch - Textpassage aus Biografie
Eine Bereicherung seines in den 1860er-Jahren langsam sich erschöpfenden Themenrepertoires brachte die Italienreise von 1868-69. Wie in den 50er-Jahren gelangen ihm hier nochmals Naturstudien von grosser Kraft und Unmittelbarkeit. So entstanden bei Porto d'Anzio einige ganz aus der Farbmaterie entwickelte, pastos aufgebaute Szenen des bewegten Meeres, deren schwerer Realismus an gleichzeitige Seestücke von Gustave Courbet gemahnt. Die Intensität des südlichen Lichtes verarbeitete er in weiteren, am selben Ort gemalten Hirtenszenen, die Einflüsse seines Freundes Böcklin verraten.